[Polaris]
Magazín pro polemiku a orientaci.

Theologie

Pfingstenpredigt zum Jubileum Calvins

Adam Balcar

Liebe Gemeinde des Heiligen Geistes, liebe Miterben Christi!

Alles, was dem Heiligen Geist gehört, macht fröhlich und frei. Die Jünger Jesu in Jerusalem sind gerade zu Miterben Christi geworden. Sie haben seinen Geist empfangen. Mit diesem Geist hören sie und wir heute in unserem Leben auf, verknechtet zu sein und werden Gottes Kinder ? ohne belastende Sorgen, ohne Angst, kurz: mit einer sicheren Position vor der (sichtbaren) Gegenwart, vor der Realität. So wie die Jünger in Jerusalem vom Heiligen Geist erfüllt, mit Zungen wie Feuer bezeichnet und mit Sprachschlüsseln begabt wurden, so eröffnet der Heilige Geist auch heute uns die Außenwelt wie ein Schlüssel und gibt uns den feurigen Glauben, damit wir draußen fest stehen und aktiv sind. Es gibt also keine Grenze oder Hindernis in der Welt, die der Heiliger Geist nicht überwinden könnte. Deshalb bitten wir Christen so dringend immer wieder um seine Gegenwart und Vollmacht, die wir unbedingt brauchen, damit wir nicht hinfällig werden. Besonders dann, wenn wir etwas Wichtiges in unserem Leben planen.

So wie er die Jünger in Jerusalem hinter ihrer verschlossenen Tür von ihrer Angst befreit hat, so sind auch wir auf ihn angewiesen, weil nur er uns richtig entspannen kann. Nur der Heilige Geist kann uns richtig von unserer Sorge befreien und beständig machen ? vor den Leuten, aber vor allem vor unserem Herrn. Wenn wir nämlich diesen persönlichen und konkreten Geist nicht in uns haben, machen wir uns Sorgen, ob wir alleine und verlassen beschämt werden. Denkt an die Zeugen der Pfingstereignisse in Jerusalem, die nur Spott für Jesu Jünger übrig hatten und über sie sagten: Sie sind voll von süßem Wein. Ohne den Heiligen Geist haben wir Christen nämlich immer irgendeinen Grund, sich ständig Sorgen zu machen, ob uns die anderen Leute etwa nicht verurteilen oder verspotten, bloßstellen, ob wir in der Härte der Realität, die uns umgibt, bestehen, etc? Kurz: Ohne den Heiligen Geist haben wir als Christen Angst, was mit uns überhaupt wird. Böse Gedanken verfolgen uns zwanghaft, jagen, reißen uns fort, damit wir nur noch beim Glück um das einfache irdische Leben betteln, und zwar krampfhaft und nie ohne Steuern.

Den Jüngern in Jerusalem wurde mit dem Heiligen Geiste auch die Sicherheit gegeben, dass sie nie wirklich unter den Menschen verloren gehen werden, denn auch die ganze Welt der allgemeinen Sprache wurde ihnen völlig geöffnet, so dass sie ihren Beruf, vor allem Zeugen Christi zu sein, ausüben können.

Und so kommen wir zu folgender Schlussfolgerung, die wir uns für heute behalten können:

Der Heilige Geist macht uns zu Gottes Kindern. Wenn wir aber Kinder Gottes und keine Sklaven sind, sind wir auch Erben der kommenden Welt ? des himmlischen Reiches. Uns, den Kindern Gottes, gehört schon jetzt die wahre, wirkliche Welt, der Paradieswelt, weil wir Gott gehören, so wie auch er uns als unser Vater gehört. Deswegen können wir gelassen bleiben. Oh je, wie wir selber diesen Geist immer wieder brauchen ? oft ohne dass wir uns das bewusst machen und uns das zugestehen. Kinder zu sein, ist zwar auch etwas Erniedrigendes, aber Erben zu sein, dann nicht mehr.

Und dies hat auch sittliche Konsequenzen in unserem Leben. Ohne den Heiligen Geist waren wir Sklaven und dachten, dass das ganze Christentum, in dem wir streng erzogen wurden — und liebe Brüder und liebe Schwestern, ihr wisst, dass hier in der Gemeinde in Nove Mesto früher überwiegend eine ganz strenge Zucht des ständigen Ermahnens üblich war — dass also das ganze Christentum und die christliche Erziehung nur ein Bündel von Befehlen und Verboten ist. Wenn uns nun aber der Heilige Geist schon als Kinder und Erben Gottes ruft — nicht nur Kinder unserer eigenen irdischen Eltern — und wenn wir auf seinen Ruf hören und so auch glauben, so sind wir befreit von der schweren Last des Gesetzes für Sklaven und verstehen nun Gottes Gesetzt selbst völlig anders: durch sein Gesetz verwaltet Gott seine Sachen, seine Welt, aber das sind auch unsere Sachen und unsere Welt! Wir sind ja dessen Erben! Und so ist dann Gehorsam so süß, weil wir sehen und wissen, dass wenn wir Gott als unserem Vater gehorchen, wir dann auch unser Leben richtig und gut verwalten und unsere ganze eigene Welt auch, und wir dann den anderen Leuten als den Unsrigen, als denjenigen, die zu uns in der Liebe gehören, begegnen. Und wenn wir sehen, dass diese heutige Welt vergeht, so dass wir uns ab und zu sagen müssen, dass die Welt nicht mehr die wunderbare ist, wie wir uns sie vorgegaukelt haben, wissen wir dann eben gerade durch den Glauben von dem in uns wohnenden Heiligen Geist, dass es aber auch eine kommende Welt gibt, in der die veraltete und verletzte, ja sogar die verkommene und verlorene Schöpfung für immer erneut auftauchen wird. Und das betrifft auch unser gegenwärtiges Bemühen: Es hat Sinn, sich um das Gute zu bemühen, auch dann, wenn dabei gleichzeitig alles vergeht, denn wir wandeln im unsichtbaren Geist als Pilger, und dieser Geist will uns auch durch jegliche Finsternis sicher durchführen.

Und so lasset uns auch in seiner Berufung beten: Herr Jesus Christus, mögen wir mit dir als unserem Bruder und Freund auf diesem Weg deines Geistes erneuert bleiben. Amen