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Theologie

Die Bedeutung des Erbes Johannes Calvins in der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB)

Adam Balcar

Die Kirche der Genfer Reformation Johannes Calvins ist aus dem Bedarf der französischen Flüchtlinge entstanden, die in ihrer Heimat für ihr evangelisches Bekenntnis verfolgt wurden. Eben so wurde auch die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder durch die Nachkommen der verfolgten hussitischen und brüderlichen Protestanten und durch die böhmischen Exulanten hervorgebracht. So verkörpern diese beiden Kirchen das Verständnis Calvins für die verfolgten bekennenden Christen. Auf die böhmischen Brüder wirkte dieses schon im 16. Jhd gewinnend.

Wir schätzen also hoch Verständnis Calvins für die Frömmigkeit der Pilger, die auf den Erden nicht dauerhaft ihren Wohnsitz haben, sondern leben eher in Feldbedingungen, in Artmut und bescheiden. So auch die Grundorientierung der EKBB besteht auf in Schätzung der communio viatorum, in der der Pilger nicht im Schauen wandelt, sondern richtet sich nach der unsichtbaren Wahrheit. Auch das Opfer von Johannes Huss prägt die Umwelt unserer Kirche als ein Ideal, der gut mit dem Accent, den J.Calvin auf den Anspruch der Selbstverleugnung im christlichen Leben gelegt hat, mitschwingt. Der tschechische evangelische Theologe Josef Lukl Hromádka bemerkte, dass die Besonderheit Theologie Calvins in folgender Idee liegt: der durch Christus Befreite schaut von seinem eigenem Ich weg hin, befreit von der Sorge um sich selbst — um seine eigene Seele, und so kann dieser sein Interesse auch seiner Umgebung widmen, nämlich den Problemen der Aussenwelt, was nichts anderes ist, als die so genannte wahre innerweltliche Askese.

Mit Calvin sind wir auch verbunden durch sein Verständnis der Heiligen Schrift. Die Schrift bezeugt Christus ? Christus spricht selber durch die Schrift. Wenn wir bekennen, dass die Herrschaft Christi von der Gründung der Welt an versprochen, offenbart und gepredigt wurde, so wollen wir wirklich auf die ganze Schrift hören. Nichts steht in der Schrift nur am Rande, nichts darf verachtet oder übersehen bleiben. So wollen wir mit Calvin auch die Kontinuität des Alten mit dem neuen Testament halten. Wir glauben an den unwandelbaren Willen Gottes und Vorsehung (providentia).

Wir knüpfen an den Genfer Reformator in Betonung der Bedeutung der Ausdauer auf dem Wege des Glaubens an. Die Integrität der Lehre Calvins und die Konsequenz in ihr bewähren sich als tragfähig in den verschiedensten persönlichen, aber auch gesamtgesellschaftlichen Umbrüchen.

Die Breite des theologischen Denkens Calvins bewahrt auch die Fülle der Lehre der kirchlichen Väter.

Calvin bemühte sich auch um die ökumenischen Beziehungen zwischen den Lutheranern und den reformierten Schweizern. Unsere unierte Kirche heute bietet den Raum für beide dieser Konfessionen an, obwohl die lutherische Konfession bei uns nur eine kleine Minderheit darstellt.

Das Calvin-Jahr 2009 wird eine erwünschte Gelegenheit zur Erfrischung unserer Frömmigkeit und zur unabgegriffenen Vorstellung des Lebens und des Werkes Calvins der tschechischen Gesellschaft. Wir empfinden, was alles wir in dieser Hinsicht schulden. Bis jetzt wurde der tschechischen Gesellschaft noch nicht mals die letzte Ausgabe der Institution vermittelt, geschweige denn die ganze Mehrheit von Briefen und erbaulichen Schriften. In der Tschechischen Republik bekennt sich zum Kalvinismus nur noch weniger als 1 % der gesamten Bevölkerung. Dank der geringen Informiertheit wird Calvin dann eher als trockener, fader und strenger Kirchen- und Staatsmann karikiert, als gesetzlich formalistischer Theologe ohne Verständnis für Mystik und das emotionale Durchleben des Glaubens. Diejenigen, die ihn sogar hassen, schreiben ihm vor allem die Schuld für den Tod Servets und überhaupt für den Aufbau des Polizeistaates in Genf zu. Sowohl der Kirche als auch unserer Gesellschaft würde also die Verbesserung des Bildes Calvins gut tun.